Rede zur Gefallenenehrung 2016

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Sehr geehrte Schützenschwestern und Schützenbrüder, verehrte Gäste und Zuhörer,

 

wie in jedem Jahr stehen wir auch heute vor dem Kriegerdenkmal in unserem Ort, um der Gefallenen der beiden Weltkriege zu gedenken.

 

In diesem Jahr möchte ich meine Rede aber nicht den Verstorbenen unsers Dorfes hinter mir widmen, sondern den Lebenden der Dorfgemeinschaft vor mir.

Heute, auf der wahrscheinlich letzten Gefallenenehrung vor dem Beginn der Umsiedlung unseres Dorfes Kuckum, möchte ich erinnern, welche Verantwortung wir als Schützen für unsere Heimat, für unser Dorf, haben.

Wir Schützen sind Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich verpflichtet hat, füreinander einzustehen, unseren Glauben, unsere Werte und unsere Heimat zu schützen. Während der laufenden und noch kommenden, schwierigen Zeit der Umsiedlung sind wir gefordert, dieser Verpflichtung nachzukommen, und Verantwortung gegenüber unseren Freunden, Nachbarn und Verwandten auszuüben.

Der heranziehende Tagebau ist schlimm, er ist überflüssig und er zerstört den Flecken Erde, den wir als unsere Heimat ansehen. Die Zerstörungen sind überall zu sehen, jetzt bereits rund um Keyenberg und auch zwischen der Kuckumer Mühle und Kaulhausen. Die Vernichtung der Erde rund um unser Dorf hat begonnen und wird immer deutlicher.

Wir werden viel verlieren, aber wir können auch etwas mitnehmen. Wir haben die Möglichkeit, unsere Gemeinschaft und unsere Nachbarschaften zu retten. Es ist bestimmt worden, dass wir unser Dorf aufgeben und an einem neuen Ort wieder errichten müssen. Das wird mühselig und sehr anstrengend. Es ist aber auch eine Bedingung dieser Genehmigung, dass am neuen Ort Platz für alles sein muss. Jedem von uns muss am neuen Ort ein Platz zum Bau eines neuen Hauses vorgehalten werden. Niemandem darf gesagt werden, suchen Sie sich doch woanders ein neues Zuhause. Trotzdem sind diese Sätze gefallen, im Beratungsbüro in Keyenberg.

Wenn wir auch umsiedeln müssen, so gibt es keine Regelung, die uns verbietet, am neuen Ort in unseren gewohnten Nachbarschaften zu verbleiben. Es gibt auch keine Regelung, die uns verbietet, Tiere zu halten oder uns sagt, dass wir unsere Gärten und Wiesen auf Bauland anlegen müssen.

Aber auch hier wurde genauso geplant und uns wurde gesagt, das ist jetzt eben so, so habt ihr Umsiedler das doch genauso in den Abfragen gewollt.

Dagegen wehren wir uns, weil es nicht stimmt. Keiner von uns hat in der Abfrage angegeben, dass er auf jeden Fall nicht in seiner Nachbarschaft verbleiben will, dass er Tierhaltung im neuen Ort ablehne oder dass er sein Gemüse unbedingt auf Bauland züchten möchte.             

Und wir haben Erfolge erzielen können mit unserem Protest. Gemeinsam haben 668 Umsiedler aus Keyenberg, Kuckum, Unter-/Oberwestrich und Berverath ihre Ablehnung gegenüber dieser Planung zum Ausdruck gebracht. Wir haben erreicht, dass den Tierhaltern Plätze in den landwirtschaftlichen Bereichen eingeräumt wurden. Wir haben erreicht, dass Umsiedler mit großen Grundstücken, die am neuen Ort zunächst überhaupt keine Möglichkeit hatten, sich entsprechende Grundstücke auszusuchen, zumindest die Chance bekamen, sich für ein Grundstück vormerken zu lassen.

Und wir haben erreicht, dass in den kommenden Wochen Gespräche mit allen gewünschten Nachbarschaften geführt werden und so nach Lösungen gesucht wird, diese Nachbarschaften zu erhalten.

Das haben wir erreicht, weil wir zusammengehalten haben. Weil wir füreinander eingetreten sind und Verantwortung nicht nur für uns selbst, sondern für unsere Freunde, Nachbarn und Verwandten, für unsere Dorfgemeinschaft, übernommen haben.      

Das ist der Weg, den wir in den kommenden Monaten und Jahren weiter gehen müssen. Solange wir gemeinsam für unsere Heimat, nicht für den Fleck Erde, aber für unsere Gemeinschaft einstehen, solange werden wir uns gegenüber RWE, gegenüber der Bezirksregierung und auch gegenüber der Stadt Erkelenz durchsetzen.

Und wenn unser Bürgermeister, den ich in vielen anderen Punkten sehr schätze, sagt, dass 80 % der Umsiedler mit dem Verlauf der Grundstücksvormerkung zufrieden sind und nur ein paar Querulanten hier aus persönlichen Gründen die Umsiedler aufwiegeln, dann redet gleich mal in euren Gruppen darüber, ob tatsächlich acht von zehn zufrieden sind. Wenn es so ist, teilt es mir mit. Aber wir sollten erst dann aufhören, wenn zehn von zehn zufrieden sind. Wir wollen niemanden aus unserer Gemeinschaft zurücklassen. Wir werden unseren Weg solange weitergehen, bis wir sicher sind, dass niemand von uns bei der Grundstücksvormerkung und noch viel wichtiger, bei der Entschädigung zurückgelassen wird.

Dazu halten wir als Gemeinschaft zusammen, nach innen und aussen. Das ist der Auftrag, den unsere St.-Antonius-Schützenbruderschaft in den nächsten Jahren hat. Und diesen Auftrag wird die Bruderschaft auch wahrnehmen.

Und als äußeres Zeichen, dass in Kuckum alle hinter diesem Ziel stehen, wird unser Schützenkönig in diesem Jahr und in allen folgenden Jahren den Kranz nicht mehr nur für die St.-Antonius-Schützenbruderschaft niederlegen, sondern für die gesamte Dorfgemeinschaft. Und er wird dabei begleitet von den Vertretern der anderen Vereine unseres Dorfes. Und so darf ich den Vorsitzenden des SV Niersquelle Kuckum, Thomas Portz, den Vorsitzenden des Angelvereins, Helmut Christ, den Löschgruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Kuckum, Dietmar Zurmahr, den Vertreter des Kirchenvorstandes, Josef Bodewig, die Vertreterin der IG Umsiedlung, Gabi Clever und die Vertreterin des Ortsausschusses, Beate Zurmahr, bitten, vorzutreten und als Zeichen der Gemeinschaft, den Kranz zur Gefallenenehrung niederzulegen.

Zuvor wird aber unser Präses, Pater Paul Mathew, noch ein Gebet sprechen.

 

Ich danke für eure Aufmerksamkeit.

 

 

 

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